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Rendite entscheidet in der bAV: Die drei Anlageoptionen der Direktversicherung im Vergleich

Moderne bAV
  • Verfasst von
    Philip Liebenow
  • Veröffentlicht am
    18
    .
    March
  • Lesezeit
    5
    min

Die betriebliche Altersvorsorge (bAV) ist als 2. Säule des deutschen Rentensystems ein zentraler Baustein der Altersabsicherung. Oft wird bei Abschluss jedoch vergessen, dass viele Menschen über Jahrzehnte in ihre bAV einzahlen – und dass deswegen neben Höhe der monatlichen Beiträge weitere Faktoren den Erfolg des “Vorsorgesparens” und die Höhe der späteren Rente entscheidend bestimmen: die Kosten für die Direktversicherung als Versicherungsmantel, die Höhe der Beitragsgarantie, und - hier im Fokus - die Art und (Netto-)Rendite der freien Kapitalanlage. Schon kleine Renditeunterschiede wirken sich über die Jahre durch den Zinseszinseffekt massiv auf das Endkapital aus. In der Direktversicherung – dem häufigsten Durchführungsweg der bAV im KMU – werden in der freien Kapitalanlage unterschiedliche Strukturen geboten.

Auf einen Blick

Struktur der Direktversicherung: In der Direktversicherung werden eingezahlte Beiträge auf das Sicherungsvermögen (Garantiebaustein) und die freie Kapitalanlage aufgeteilt.

Drei Anlageoptionen: Innerhalb der Kapitalanlage stehen klassische festverzinsliche Anlagen, aktiv gemanagte Fonds oder ETFs zur Auswahl – mit unterschiedlichen Rendite-, Kosten- und Risikoprofilen.

Langfristig optimal: Bei langen Laufzeiten (20+ Jahre) bieten ETFs laut Stiftung Warentest das beste Rendite-Risiko-Verhältnis.

Die drei Anlageoptionen im Vergleich

Bei der Kapitalanlage können klassische festverzinsliche Produkte, aktiv gemanagte Fonds oder börsengehandelte Indexfonds (Exchange Traded Funds bzw. ETFs) eingesetzt werden. Jede dieser Varianten unterscheidet sich in Risikoprofil, Kostenstruktur und Renditechancen. 

Klassische festverzinsliche Anlage

Das Kapital wird hauptsächlich in risikoarme Anlagen wie Staatsanleihen, Pfandbriefe und Unternehmensanleihen hoher Bonität investiert.

  • Vorteile: Sehr sicher, planbare Rendite, geringes Schwankungsrisiko
  • Nachteile: Niedrige Rendite (oft 1-3 % p.a.), kann Inflationsrate unterschreiten, geringes Wachstumspotenzial
  • Für wen geeignet: Mitarbeitende kurz vor Rentenbeginn (<10 Jahre), sehr risikoaverse Personen

Aktiv gemanagte Fonds

Das Kapital wird von einem Fondsmanagement aktiv in eine gezielte Auswahl einzelner Wertpapiere (z.B. Aktien oder Anleihen) investiert, die es für besonders aussichtsreich hält. 

  • Vorteile: Höhere Renditechancen als klassische Anlagen (oft 4-6 % p.a.), professionelles Management
  • Nachteile: Hohe Kosten (Ausgabeaufschläge, laufende Verwaltungsgebühren 1-2 % p.a.), statistisch schlagen die meisten aktiven Fonds langfristig nicht ihre Benchmark
  • Für wen geeignet: Mitarbeitende, denen aktives Management wichtig ist und die bereit sind, höhere Kosten zu zahlen

ETFs (Exchange Traded Funds)

ETFs sind seit Jahren ein fester Bestandteil der Finanzwelt und etabliert in der privaten Altersvorsorge. Als passive Indexfonds bilden sie die Wertentwicklung eines Börsenindex (z. B. den MSCI World) automatisiert ab. 

  • Vorteile: Hohe Renditechancen (historisch 6-8 % p.a. nach Inflation), sehr niedrige Kosten (0,1-0,5 % p.a.), breite Diversifikation, hohe Transparenz
  • Nachteile: Kurzfristige Schwankungen möglich (bei langer Laufzeit historisch vernachlässigbar)
  • Für wen geeignet: Mitarbeitende mit langer Laufzeit (20+ Jahre), die hohe Renditechancen bei geringem Risiko suchen

Beispiel: Warum die Rendite über die Rentenhöhe entscheidet

Bei einer bAV-Laufzeit von 30 Jahren macht ein Nettorenditeunterschied von nur 2 % pro Jahr einen enormen Unterschied (unter Beispielannahmen*).

  • Bei 200 € monatlichem Beitrag und 2 % Rendite p.a.: ca. 141.000 € Endkapital
  • Bei 200 € monatlichem Beitrag und 4 % Rendite p.a.: ca. 200.000 € Endkapital
  • Unterschied: ~59.000 €

Wichtig: Renditen sind nicht planbar und unterliegen Marktschwankungen. Die genannten Werte dienen nur zur Veranschaulichung – die tatsächliche Wertentwicklung kann davon abweichen.

*(Annahmen: Garantieniveau 60%, Arbeitgeberzuschuss 15%, Vertragskosten <0,9% p.a.)

Fazit: Renditepotenzial der bAV voll ausschöpfen

Die Direktversicherung ist ein Vorsorgeinstrument mit unterschiedlichen Anlageoptionen von klassisch sicherheitsorientiert bis kapitalmarktnah über Fonds und ETFs. Welche Variante sinnvoll ist, hängt von individueller Risikobereitschaft, Alter und verbleibender Laufzeit sowie der Einkommens- und Versorgungssituation ab. 

Bei Abschluss einer bAV ist neben Kostenstrukturen des Versicherungsmantels sowie der Garantiehöhe besonders die Wahl der richtigen Kapitalanlage entscheidend. Denn bei Laufzeiten von 20 oder mehr Jahren, wie bei der bAV häufig der Fall, macht die Rendite einen entscheidenden Unterschied – sie bestimmt maßgeblich, wie stark das angesparte Kapital wächst.

Historisch betrachtet waren breit gestreute Aktien-ETFs die beste Wahl für langfristig hohe Renditen. Bei langer Laufzeit bieten sich daher insbesondere ETF-basierte bAV-Lösungen an, da sie ein optimales Rendite-Risiko-Verhältnis mit niedrigen Kosten und breiter Diversifikation verbinden – ein Ansatz, der auch durch wissenschaftliche Studien sowie Einschätzungen der Stiftung Warentest gestützt wird. 

Wer die Direktversicherung renditeorientiert ausrichtet, schafft damit die Grundlage für eine deutlich höhere Rente – und nutzt das volle Potenzial langfristigen Sparens in der bAV.

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Philip Liebenow

Gründer und Geschäftsführer von ginkgo

Dr. Philip Liebenow ist Co-Founder und Geschäftsführer von ginkgo. Der promovierte Jurist war zuvor unter anderem bei BCG, Trade Republic und Moss tätig. Auf dem ginkgo Blog schreibt er an der Schnittstelle von HR, Finanzen und Recht über die Umsetzung einer modernen und rechtssicheren Altersvorsorge.